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Das „Salettl“ in Fürstenzell

 

Festsäle im Passauer Land - Teil 1

Das „Salettl“ – Gartenpavillon und Ort der Muße
Das „Salettl“ in Fürstenzell, einst Sommerhäuschen für die Äbte des im Jahr 1274 gegründeten Fürstenzeller Zisterzienserklosters im Klostergarten ist eines der schönsten Festsäle im Passauer Land. Lange Zeit waren die Küchen- Kräuter- und Baumgärten reine Nutzgärten für Küche und Apotheke zur Selbstversorgung des Klosters. Seit dem 17. Jahrhundert kamen Lustgärten in Mode, die ausschließlich der Muße, der Zerstreuung und dem Genuss dienten. Als unter dem 1727 neu gewählten Abt Stephan Mayr das gesamte Klosterareal samt Klosterkirche umgebaut wurde, entstand auch das Salettl (ital. Sala). Dieses „Salettl“ ist eine Verkleinerungsform von ital. „Sala“ oder frz. „Salle“ für Saal, in der bayerischen Mundart wie ein Kosenamen noch einmal um das Diminutiv „l“ verkleinert. Dieses „kleine Sälchen“ war Teil des von Mauern umschlossenen Prälatengartens und diente den Äbten zur Erholung. Die Bedeutung dieses Sommerhäuschens im Gesamtkonzept des Klosterareals kann man auf dem Idealplan von 1770 erkennen. Es steht direkt gegenüber dem überhöhten Mittelrisalit der Prälatur mit dem großen Festsaal und begrenzte einst die Sichtachse der Gartenanlagen nach Westen hin. Die Ähnlichkeit zwischen der Dachform des Salettls und des Festsaales ist frappierend. Beide haben das gleiche Mansardendach, wo die Dachflächen im unteren Bereich abgeknickt sind.
Der Freskant Johann Jakob Zeiller (1708-1783)
Auch wurde das Salettl von dem gleichen Freskenmaler wie die Klosterkirche ausgeziert. Johann Jakob Zeiller (1708-1783), der seine künstlerischen Grundlagen in Rom und Neapel erworben hat und ein Schüler des berühmten Paul Trogers (1698-1762) war, hat in den Jahren 1744/45 die Deckenfresken, das Hochaltarbild und weitere Seitenaltarbilder in der Klosterkirche geschaffen. In dieser Zeit werden von ihm wohl auch die Fresken im Salettl in den frischen (=ital.“fresco“) Putz gemalt worden sein. Nach der Säkularisation wurde das Salettl mehrmals umgebaut, wobei an den Malereien großer Schaden entstand. Zudem wurde das Salettl in den 1950iger Jahren aus dem räumlichen Zusammenhang zur Prälatur und den Gartenanlagen gerissen und steht nun im Lichtschatten der ehemaligen Volksschule. Mitte der 1990iger Jahre besann man sich auf den kulturhistorischen Wert des Salettls, und es begann eine erfolgreiche Restaurierungsgeschichte.
Kirchenmaler Hermenegild Peiker
Als Grundlage zur Wiederherstellung der Fresken dienten dem europaweit bekannten Augsburger Kirchenmaler Hermenegild Peiker Wandbildreste und historische Fotos aus den Kunstdenkmälern von Niederbayern vom Jahr 1920. Peikers barocke Nachschöpfungen zerstörter Fresken finden sich an vielen Orten im In- und Ausland. Die Wiederherstellung der Fresken im Goldenen Saal im Augsburger Rathaus und des Deckengemäldes in der Anna Amalien Bibliothek in Weimar gehört zu seinen Glanzleistungen. Im Fürstenzeller Salettl musste sich Hermengild Peiker in die Malkunst und gestalterische Handschrift Johann Jakob Zeillers hineindenken, was ihm vortrefflich gelungen ist. Zeillers malerische Ausgestaltung des Salettls sagt einiges über die künstlerischen Interessen des in Schärding am Inn geborenen Abtes Stephan Mayr aus, der in den Quellen als „Virtuoser Geiger“ bezeichnet wird. Die Musikalität lag in der Familie, sein Onkel war der bekannte Barockkomponist Rupert Ignaz Mayr (1646 -1712 in Freising).
Musizierende Putten
Wohl auf Wunsch des Abtes hat Zeiller in den Eckbereichen des Spiegelgewölbes vier Allegorien der Musik gemalt. Auf Sockeln, die von jeweils zwei Atlanten gestützt werden, blicken Putten sitzend oder stehend als Gamben,- Harfen,- Flöten oder Triangelspieler auf die Besucher herab.
Jahreszeiten
Oberhalb der ringsum gemalten Balustrade, die auf einer Säulenarchitektur ruht, tummeln sich auf drei Seiten Putten, die als allegorische Personifikationen die Jahreszeiten Sommer, Herbst und Winter verkörpern. Als Höhepunkt schwebt im Scheitel auf der Westseite die geflügelte Flora, die Frühlingsgöttin, eine blumengeschmückte junge Frau von berauschender Schönheit. Ihr Haupt ist mit einem Kranz von roten und weißen Blumen umwunden. Als Vegetationsgöttin wird Flora umringt von Blüten tragenden Putten, deren drolliges Treiben von einem Pfau beobachtet wird. Mit seinem vieläugigen Gefieder ist der Pfau ein Bote des Frühlings. Wenn er sich im Herbst mausert, verliert er seine dekorative Schönheit. Für mehrere Monate ist er dann schmucklos, bevor sich im Frühling wieder seine leuchtenden Federn entwickeln. Drei Engel bekrönen mit einem Früchtekranz die gesamte Frühlingsszene. Anscheinend liebte der Abt die Fischerei, denn über den Fenstern sind idyllische Flußlandschaften mit Fischern und ihren Booten zu sehen.