Der sündige Nachbar

Ein Krimipreis-Rätsel aus dem Bäderdreieck

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Der Sündige Nachbar

von Ella W. Anders

Wilma tastete in der Dunkelheit nach dem altmodischen Wecker, der auf dem weißen Nachttisch ihres Chippendale-Schlafzimmers stand.

Sie registrierte die Uhrzeit und ließ sich seufzend auf ihr Daunenkissen zurück fallen. Wie rasch doch diese wunderbare Stunde nach dem gemeinsamen Samstag-Abendessen vergangen war.

Sie lauschte glücklich dem rasselnden Schnarchen des Mannes, der sich in ihrem Bett ausgebreitet hatte. Dann drückte sie sich an seinen breiten Rundrücken und flüsterte:

»Es ist 22 Uhr mein Schatz, du musst gehen.«

Eine schemenhafte Figur erhob sich umgehend, sprang in die Unterwäsche und die Jeans, warf ein Karo-Hemd über und suchte die Schuhe. Ein schmatzendes Geräusch erklang und Wilma blickte dem stattlichen Kerl nach, der im Schein seiner Taschenlampe durch die rückseitige Gartentüre in das Nachbargrundstück huschte, das ihm und seiner Ehefrau Anna-Bella gehört.

Am Sonntagmorgen um Acht verließ auch Wilma das Bett, betrat das blau gekachelte Badezimmer und ließ Wasser in die Wanne laufen. Sie legte eine Gesichtsmaske auf, versteckte die Cellulite im parfümierten Badeschaum und hoffte auf ein Wunder. Sie wollte dem Lover jünger und frisch aussehend unter die Augen treten, wenn sie ihn bei Tageslicht gegen zehn Uhr an ihrem reich gedeckten Frühstückstisch verwöhnen wird. Es muss doch nicht weithin erkennbar sein, dass sie betagter als der betagte Liebhaber war. »Heutzutage ist das nämlich völlig normal«, sagte sie zu sich selbst. »Man schalte nur das Fernsehgerät ein. Sogar in den Soaps kommt es gelegentlich vor, dass sich ein älterer Mann in eine noch ältere Frau verliebt.«

Fast zur gleichen Zeit saß der Mann ihrer Träume jedoch am Südbalkon eines anderen einsamen Herzens im weichen Polster einer Gartengarnitur und frühstückte. Um zehn Uhr war er satt. Er erhob sich, fegte die Krümel von der Hose, klemmte das Bad Füssing Magazin wasistlos unter den muskulösen linken Arm und verabschiedete sich vor der Haustüre äußerst diskret. Der Termin für das nächste Rendezvous musste wie immer flexibel offen bleiben.

Natürlich hatte die alterslose, erst neulich in einen Ortsteil von Bad Füssing zugezogene Vera, die dank ihres vorausschauenden und vorausgegangenen Gatten finanziell ausgesorgt hatte, hierfür Verständnis. Genauer gesagt: sie hatte keine andere Wahl. Die Ehefrau ihres Besuchers kann man nicht aus der Welt schaffen. Man kann sie sich nur wegdenken. Die Witwe strich mit der Hand durch ihre eisgrauen, ausgedünnten Locken, wiegte vor dem Garderobenspiegel die spindeldürre Hüfte prüfend hin und her, band schließlich eine Schürze um und ging, ziemlich unzufrieden mit dieser Situation, in die Küche, um mit dem Abwasch des Geschirrs zu beginnen.

Später schaltete sie frustriert das Fernsehgerät ein und lauschte inbrünstig einer Talk-Runde zur Moral der heutigen Frau.

Zum Mittagessen hatte Herr Schofel die Einladung einer mäßig gut aussehenden Hotelbesitzerin angenommen und sich, wie schon so oft, in deren Privat-Suite von ihrem Sterne-Koch recht ausgiebig kulinarisch verwöhnen lassen. Der mitgebrachte, selbst gepflückte Blumenstrauß aus dem heimischen Garten, hatte Edelgunde zutiefst gerührt und glücklich gemacht. Aber sie war in erster Linie Geschäftsfrau. So kam es, dass der handwerklich hochbegabte Schofel vor dem Abschied um 14 Uhr noch schnell das verstopfte Waschbecken der Herren-Toilette reparieren musste und für den freien Ablauf der Hotelspüle sorgte.

Am Nachmittag warteten sowohl Wilma wie auch Vera sehnlichst auf sein telefonisches Lebenszeichen. Es blieb aus und die beiden befürchteten eifersüchtig, dass ihn seine Ehefrau womöglich selbst in Beschlag genommen hat.

In Wahrheit hatte Schofel aber keine Zeit.

Er führte »Hektor«, den Hund von Bekannten, an der Leine durch den Wald und traf in einer Lichtung auf die ledige Helene, die mit dem E-Bike unterwegs und schon einige Male bei ihm zu Hause war, wenn seine berufstätige Ehefrau ihrer Arbeit nachging. Er nahm ihr den Picknickkorb ab. Dann lümmelten sie auf einer Decke unter dem wolkenlosen Himmel in der mit Blumen übersäten Wiese und genossen Kaffee und Kuchen. Auch Hektor bekam etwas ab.

Die Zeit für das Abendessen nahte und Gustav Schofel blätterte in seinem sorgfältig versteckten Terminkalender. Demnach wurde Brigitte heute 67 Jahre alt. Er nahm telefonisch Kontakt zu ihr auf. Um 18 Uhr klopfte er an die ihm wohlbekannte Türe und überreichte mit zwei Wangenküsschen jene Flasche Champagner, die ihm Wilma erst vor kurzem zugesteckt hatte und die von ihr persönlich mit viel Liebe und einem wunderschönem Herzchen-Geschenkpapier verhüllt worden war. Schofel wollte die Geburtstagsfrau Brigitte aber keineswegs zum Abendessen ausführen. Er ließ durchblicken, dass seine Ehefrau die Finanzen bewacht und ihm lediglich ein monatliches Taschengeld überlässt, welches er soeben für das Geschenk ausgegeben hat.

»Du brauchst dich nicht zu genieren«, himmelte ihn die schräge Brigitte verständnisvoll an:

»Meine Pension ist so üppig wie meine Oberweite und ich kann es mir erlauben, dich heute einzuladen.«

Es war bereits 24 Uhr, als Schofel vorsichtig in Socken an seiner Ehefrau vorbeischlich, die beim Warten auf seine Rückkehr vom »Hilfsprogramm für den kranken Hochwald« auf der Couch im Wohnzimmer eingeschlafen war.

Am nächsten Morgen wurde Anna-Bella um sechs Uhr durch die Nachbarin Wilma geweckt, die mit ihrem Ruf »Miez!-Miez!« an der Gartengrenze herum irrte und nach einem imaginären Kater suchte.

Ein Stockwerk höher erwachte bei offener Balkontüre auch der Gesuchte. Er griff nach dem immer bereit liegenden Fernglas im Nachtschrank und dann nach seinem Handy:

»Willst du meine Frau auf uns aufmerksam machen?«, raunzte er verärgert in´s Netz. »Die weiß doch, dass du keine Katze hast.«

Auch Wilma war sauer:

»Warum hast du dich gestern nicht mehr gemeldet und dein Handy ausgeschaltet? Soll ich denn als Specht getarnt Morsezeichen klopfen oder mich mit Rauchsignalen bemerkbar machen?«

Kaum hatte Schofel mit beschwichtigenden Ausflüchten das Gespräch beendet, erschallte eine Fanfare als Kennung für Amalia, seine junge, temperamentvolle Favoritin aus Oberbayern.

Rasch schloss er sich im Badezimmer ein und flüsterte verheißungsvoll in das Telefon:

»Ich komme heute für eine ganze Woche zu dir. Meiner Frau habe ich schon vor Tagen erzählt, dass ich an einer mehrtägigen freiwilligen Sanierung von Alpenpfaden teilnehmen möchte und auf einer Hütte übernachten muss.«

Dann kamen ihm ganz kurz die unangenehmen Worte der Eheberaterin in den Sinn, die seine Frau im letzten Jahr mit ihm aufgesucht hatte: »Schämen Sie sich denn nicht, Herr Schofel?«

Nein, er schämte sich nie. Dann packte er intime Utensilien und seine neue, ganz besonders phantasievolle und im Schrank versteckte Unterwäsche in eine schwarze Aktentasche. Das schöne Aluminium-Mountainbike seiner Ehefrau hatte er bereits vor einer Woche als wertvolles Geschenk der Amalia gebracht. Nun holte er nur noch seine alkoholischen Getränke aus dem Keller, lud sie in den Kofferraum, stieg in sein Auto und dann war der Schofel weg. Im wahrsten Sinne des Wortes!

Er telefonierte nie mehr mit der Nachbarin Wilma oder den anderen unbedeutenden Frauen. Auch seine Anna-Bella sah ihn nie wieder.

Der Erdboden schien ihn samt Auto, der schwarzen Aktentasche und zwei Kasten Bier verschluckt zu haben.

Im Spätherbst begegnete Frau Schofel wieder einmal ganz zufällig Wilma, die an der Gartengrenze die letzten roten Rosen schnitt.

»Hat die Kripo noch immer nichts von deinem Mann gehört, Anna-Bella?«

Dann fuhr sie plump fort: »Es ist völlig natürlich, dass ich mir Sorgen um meinen Nachbarn mache. Er und ich haben so vieles gemeinsam. Die Freude am Wandern zum Beispiel...«

Mit einem Lächeln ergänzte Anna-Bella: »...und nicht zu vergessen: den Herpes im letzten Jahr.«

Dann stattete Hauptkommissar Harribald Renner von der Kripo Passau der Ehefrau des Verschollenen einen Besuch ab.

»Wir haben den Pkw Ihres Mannes aufgefunden. Er wurde mit ausländischem Kennzeichen in einen Unfall bei Ruhpolding verwickelt. Von Ihrem Mann fehlt allerdings auch weiterhin jede Spur. Wir gehen davon aus, dass er einem Unfall oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist, schließen aber auch weiterhin Suizid nicht aus. Wir ermitteln in alle Richtungen.«

Der Winter hielt Einzug. Eine dichte Schneedecke lag über Bayern und schließlich taute es wieder. Ein neuer Frühling erwachte und auch Anna-Bella blühte auf.

Die Spätnachrichten am 27. März waren sehr makaber.

Der tagelange Föhn hatte im Karwendelgebirge einen mumifizierten Leichnam freigelegt. Ein zweiter Ötzi? Wohl kaum. Er trug einen stabilen Sturzhelm und unter diesem einen merkwürdig gut erhaltenen grauen Pferdeschwanz. Auch die verschmutzten Wanderschuhe waren intakt. Das männliche Skelett saß in vermoderter Kleidung aufrecht auf dem schief hängenden Sattel eines Aluminium-Mountainbikes, welches etwa zwei Meter tief in einer engen Felsspalte eingeklemmt war und als das gestohlene Eigentum der Frau Schofel identifiziert wurde. Am Gepäckträger war eine verrottete schwarze Aktentasche befestigt. In dieser befanden sich die Überreste von ehemals sehr intimen Gegenständen und - gar nicht dazu passend - die auf eine wasserabweisende Folie geschriebenen Worte: »Die Rache war mein!«

Ging das noch mit rechten Dingen zu? Das war doch kein Suizid! War es ein Unfall oder gar ..... ein sehr raffiniert eingefädelter Mord?

Nichts kann ausgeschlossen werden.

 

 

Wer ist der Racheengel? Was meinen Sie?

 

 



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