Master of Hilde: Karl Augenstein

Leidenschaftlich stellt Karl Augenstein seine eigenen Liköre her. Jedes Fläschchen ein Unikat, in sorgfältiger Handarbeit erzeugt. Seine höchste Prämisse ist der unverfälschte Geschmack. Wenn Walnuss draufsteht, so schmeckt es auch nach Walnuss. Wenn Fliederblüte draufsteht, so schmeckt es nach Fliederblüte. Klingt extravagant, ist es auch. Augenstein kreiert seine Liköre je nach Inspiration. Seine Neugier treibt ihn an, stets neue Ideen auszuprobieren. Und was dabei entsteht, ist eine Vielfalt an Likören - so unterschiedlich wie die verschiedenen Vorlieben der Menschen auch sind. Aber wie kam er überhaupt dazu?

Karl Augenstein stammt noch aus einer Zeit, in der es diesen Individualismus, den es heute gibt, nicht gab. Der eingeborene Füssinger erinnert sich: „Meine Kindheit war ärmlich. Wir lebten auf dem Bauernhof der Eltern meiner Mutter. Irgendwann durfte meine Mutter ein kleines Haus nebenan bauen. Es wurde mühselig und mühsam aufgebaut.“ Als es dann um die Lehre ging, hatte Augenstein kaum eine Wahl. Mechaniker sollte er werden. Und das wurde er auch. Doch schon in diesen jungen Jahren entfachte in ihm eine kulinarisch-genussvolle Ader. Ganz das Gegenteil zu seiner Arbeit war sein Hobby: Tortenbacken. „Da habe ich viel Geschirr dreckig gemacht, nur für so einen Kuchen“, so Augenstein, „aber es hat Spaß gemacht.“

Heute ist er selbstständig, mit seiner eigenen Werkstatt und Tankstelle. Neben Golfen wurde Motorradfahren zu seinem Hobby. Dann war er noch 24 Jahre im Gemeinderat tätig. Und so, als engagierter Bürger, selbstständiger Werkstattinhaber und Familienvater, war die Zeit knapp für andere Leidenschaften. Vor einigen Jahren will er aus Spaß mal eigenen Most pressen. Seine Kinder schenken ihm einen Gutschein für eine Mostpresse und das war der Beginn einer neuen Passion. Nach Most wagte sich Augenstein an Sirup und später an Likör. Für andere Hobbies hat er heute keine Zeit mehr.

Beigebracht hat er sich das Likörmachen selbst. Er lernt von Lektüre, anderen Menschen und dem Experimentieren. „Der Batz, den man da hat, ist nicht jedermanns Sache“, lacht Augenstein, „aber in der Schale stecken die wichtigen Inhaltsstoffe.“ In der Herstellung hat Augenstein zwei oberste Gebote: Zum einen sammelt er am liebsten alle Zutaten selbst oder kaufst sie höchstens dort, wo er sich einer guten Herkunft der Produkte sicher sein kann. Mittlerweile pachtet Augenstein sogar eine eigene Obstplantage. Zum anderen verwertet er die Ressourcen am liebsten komplett. So entstehen nebenbei noch Marmelade (allerdings mit leichtem Alkoholgehalt) oder Schokofrüchte. Sogar manche Kerne verwertet Augenstein weiter und macht daraus Likör – der schmeckt dann wie Cognac. Dabei bleiben seine Produkte immer naturbelassen, keine Zusatz- oder Konservierungsstoffe. Augenstein geht richtig auf in dem, was er da macht. Und so kann er wenigstens jetzt seiner kulinarisch-genussvollen Ader freien Lauf lassen.

Die Liköre können in einer großen Vielfalt bei Karl Augenstein, Obere Inntalstraße 1 in Bad Füssing gekauft werden. Ein Besuch lohnt sich!    sw