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800 Jahre Veste Oberhaus

 
Im Jahr 2019 feiert die Veste Oberhaus ihr 800-jähriges Bestehen. Im Jubiläumsjahr steht die gesamte Burganlage im Zeichen der wechselvollen Burggeschichte. Vom 8. Juni 2019 bis 6. Januar 2020 präsentiert die Sonderausstellung „Mächtig prächtig! 800 Jahre Veste Oberhaus“ die 800-jährige Geschichte dieser Festung, die als eine der größten und besterhaltenen Burganlagen Europas gilt.

Gründung der Veste Oberhaus
Gegründet wurde die Veste Oberhaus im Jahr 1219 von dem Passauer Bischof Ulrich II. (1415-1421). Ulrich war reichsunmittelbarer Fürst geworden, nachdem er am 21. Januar 1217 von Friedrich II. aus dem Adelsgeschlecht der Staufer (1194-1250, 1212 König, 1220 Kaiser des römisch-deutschen Reiches) den Ilzgau als Fahnenlehen bekommen hatte. Damit waren Ulrich und seine Nachfolger nicht nur geistliche, sondern auch weltliche Herrscher, die als Reichsfürsten die Landeshoheit über ihren umfangreichen Landbesitz nördlich der Donau ausübten. Ulrich II., der gegen den Widerstand der Stadt und des Domkapitels Bischof von Passau geworden war, errichtete wohl zu seiner Sicherheit auf den keilförmigen, steil aufragenden sowie durch Donau und Ilz begrenzten Georgsberg im Jahr 1219 an dem Platz eine Burg, wo bereits die dem Ritterheiligen Georg geweihte Georgskapelle stand. Die Georgburg sollte die bischöfliche Herrschaft über die Stadt sicherstellen. Bischof Ulrich verstarb jedoch nach sechs Jahren im Amt auf einem Kreuzzug zur Befreiung Jerusalems in Ägypten, als die Kreuzfahrer die bereits eroberte ägyptische Hafenstadt Damiette nach einer Niederlage im Nildelta wieder aufgeben mussten. Der Standort der Festung war strategisch gut gewählt, denn die Burg auf dem steil zur Donau und zur Ilz abfallenden Sporn hoch über der Stadt Passau beherrschte nicht nur die Altstadt und den Zusammenfluss der Verkehrsschlagadern Donau und Inn, sondern auch den Ausgangspunkt der nach Böhmen führenden Goldenen Steige, die Passauer Ilzstadt. Die Errichtung der Festung Oberhaus sollte auch dem Schutz der Residenzstadt Passau dienen, die 1209 gerade eine neue westliche Ringmauer erhalten hatte. Eine erfolgreiche Verteidigung der Stadt war nur möglich, wenn der Georgsberg befestigt war und damit dem Feind als Operationsbasis entzogen war. Bischof Ulrich II. dokumentierte mit dem „Castrum in monte S. Georgii“ nicht nur seine reichsfürstliche Position, sondern sicherte sie auch gegen Feinde von innen und außen. Mit der Burg schuf Ulrich eine wesentliche Grundlage für den Erhalt der fürstbischöflichen Macht für sich und seine Nachfolger, denn die nach Unabhängigkeit und Freiheit strebenden, durch Handel reich gewordenen Passauer Bürger rebellierten immer wieder gegen die bischöfliche Herrschaft. So wurde das Oberhaus mehrmals zum persönlichen Zufluchtsort der Bischöfe, wenn sie in Bedrängnis gerieten.
Als Landesfestung signalisierte die Burg auf dem St. Georgsberg nach außen die Präsenz eines fürstbischöflichen Landesherrn; nach innen sicherte sie wirksam die ungeteilte Stadtherrschaft des Bischofs. In dieser Rolle bewährte sich die ca. 1230 fertiggestellte Burg in den Konflikten des bischöflichen Stadtherrn mit dem zur Emanzipation drängenden Stadtbürgertum in den Jahren 1298 und 1367. Wie in Bamberg, Eichstätt, Salzburg oder Würzburg konnten sich so auch die Fürstbischöfe in Passau ihre Stadtherrschaft bewahren, während die geistlichen Herren von Bischofsstädten ohne Burganlagen ihrer Stadtherrschaft im Mittelalter verlustig gingen (z. B. Augsburg, Köln, Regensburg, Straßburg, Speyer).
Zu der Befestigungsanlage gehört auch die um 1259 entstandene Burg Niederhaus, das Vorwerk des Oberhauses am Ufer der Donau auf der Spitze der felsigen Landzunge am Zusammenfluss von Ilz und Donau. Nachdem Niederhaus im Jahre 1367 durch die Passauer Bürger im Kampf gegen den Bischof eingenommen worden war, wurden 1368 Niederhaus und Oberhaus mit einem doppelten Wehrgang mit halbrunden Flankentürmen verbunden. Die beiden Burgen oben am Georgsberg und unten an der Donau waren eine zusammenhängende Burganlage. Erst seit Mitte des 14. Jahrhunderts sind die Benennungen „Oberhaus“ und „Niederhaus“ gebräuchlich.
Als im Jahr 1444 der Humanist, Schriftsteller und Historiker Eneo Silvio Piccolomini, der spätere Papst Pius II. (*1405, reg. 1458-1464) die Stadt Passau und die bischöflichen Burgen Oberhaus und Niederhaus besichtigte, lobte er nicht nur deren starke Befestigungsanlagen, sondern auch die prachtvolle Ausstattung der Räumlichkeiten. Als Landesfestung und Residenz war die Burg Oberhaus auch Herrschafts- und Verwaltungssitz, wobei dem Pfleger die Verwaltung des gesamten Abteilandes oblag. Bischof Leonhard von Laiming (1423–51) ergänzte die Bauten durch den Osttrakt des Fürstenbaus und verstärkte die Anlage durch die »Batterie Linde«. Darüber hinaus initiierte er den Wiederaufbau der 1435 durch eine Pulverexplosion zerstörten Burg Niederhaus.
Aufgrund der fortschreitenden Belagerungstechnik wurde die Festung über die Jahrhunderte ständig ausgebaut und erweitert. Im 15. und 16. Jahrhundert haben die Bischöfe die Festung Oberhaus zu einer der frühen Renaissanceresidenzen umgebaut, als Passau zur bedeutenden Handelsstadt geworden war und Wein, Salz, Metalle, Stein, Tuch und Luxusgüter aus Asien und Afrika über Inn und Donau und den Goldenen Steig abgewickelt wurden.

Die älteste Ansicht der Burg Oberhaus
Der im Donauraum tätige Wandermaler Hans Egkel (+1497) schuf mit der „Enthauptung der hl. Katharina“ (1475/80) ein Tafelbild mit der ältesten Stadtansicht von Passau. Die Handlung spielt sich im Mühltal (Innstadt) bei Passau ab. Im Hintergrund über den Köpfen der dicht gedrängten handelnden Personen hinweg öffnet sich der bezaubernd schöne Blick auf Passau. Es ist keinesfalls eine idealisierte oder fantastisch umgestaltete Landschaft, sondern ein wirklichkeitsgetreues Bild Passaus mit den beiden Burgen Oberhaus und Niederhaus, die die Dreiflüssestadt beherrschen. Auch die Kleidung der agierenden Personen ist zeittypisch für das 15. Jahrhundert. Dieses Tafelbild ist ein Beispiel, wie es ab der Mitte des 15. Jahrhunderts unter dem Einfluss der niederländischen Malerei zunehmend üblich ist, den goldenen Bildhintergrund der Altargemälde um Landschaftsdarstellungen zu bereichern. Die dekorative Wertigkeit des Goldgrundes zeigt sich noch im oberen Bildbereich. Die detailreiche Architekturdarstellung hat sich auf diesem Tafelbild zum repräsentativen und dekorativen Bildgegenstand verselbständigt ohne eine klare inhaltliche Beziehung zum Bildthema der Heiligenlegende. Die Stadt Passau mit ihren gotischen Kirchtürmen und die beiden Burgen Oberhaus und Niederhaus sind kein illustrierender Schauplatz der dargestellten Erzählung von der Enthauptung der hl. Katharina von Alexandrien, der Legende aus dem 10. Jahrhundert nach eine Königstochter von Zypern, die zu den 14 Nothelfern gezählt wird. Hier zeigt sich der Wille und das Vermögen des Malers Hans Egkel, durch genaue Beobachtung die eigene Umwelt wirklichkeitsnah zu erfassen.
Dass der im Markt Obernberg am Inn geborene Maler Hans Egkel das Bild der Stadt Passau so genau wiedergab, hängt damit zusammen, dass Obernberg eine Besitzung des Passauer Bischofs war und er als bischöflicher Untertan hier in Passau wohl oft zu Gast war. Die spektakuläre Lage der beiden imposanten Burgen muss den Maler imponiert und zum Staunen gebracht haben, da er die Stadt wesentlich kleiner abbildet und er damit die realen Machtverhältnisse zwischen Bischof und Stadtbürger zum Ausdruck bringt. Im Vordergrund zeigt Hans Egkel den Zusammenfluss der drei Flüsse Inn, Donau und Ilz. An der Ortsspitze legen die Schiffe an, die die kostbaren Salzladungen innabwärts nach Passau bringen. Neben der türmereichen Altstadt, der zum Berg aufwärts hin von einer Mauer umgebenen Ilzstadt, dem Anger mit der hölzernen Brücke, die die Donau überspannt, und dem Brückenturm sind auch die bischöflichen Burgen Oberhaus und Niederhaus abgebildet. Stadtbeherrschend thront eindrucksvoll die Burg Oberhaus auf dem St. Georgsberg. Der turmbewehrte überdachte Mauergang führt zur Veste Niederhaus, die an der felsigen Spitze, die sich am Zusammenfluss von Ilz mit der Donau vorschiebt, liegt. An der äußersten Spitze der Landzunge sehen wir den hohen Bergfried des Niederhauses, der 1809 zur Hälfte abgetragen wurde, als Napoleon Bonaparte das Oberhaus zu einer Großfestung gegen Österreich ausbauen wollte. Dann folgt ein an den Wohnbau anschließender Turm. Jenseits der Ilz sehen wir die ummauerte Ilzstadt mit der Bartolomäuskirche. Ein Saumross steigt gerade bergwärts die Handelsstraße zum Goldenden Steig hinauf. Besonders interessant ist die Abbildung eines in die Veste Niederhaus führenden Wassertores. Der Palas nimmt die ganze Seite des Felsrückens ein. Zur Donauseite ist die Burg Niederhaus durch hohe Mauern gesichert.
Auf der Festung Oberhaus erscheint als dominierendes Bauwerk der quadatische Bergfried, der vor 1750 abgerissen worden ist. Bei einer Grabung in den Jahren 1995/96 konnten seine Grundfesten aufgefunden werden. Neben dem Bergfried und dem Palas hat der Maler die mittelalterliche Ringmauer (Bering) mit drei Schalentürmen abgebildet, die auf der Rückseite offen sind. Am Südfuss des Georgbergs dehnt sich ein mauerumgürteter Holzgarten.
 

Die Klosterbibliothek des ehemaligen Zisterzienserklosters Aldersbach

 

Der christliche Gottesberg – Theologie - Teil 3

Aldersbach gehörte bis zum Jahr 1803 zu den politisch und wirtschaftlich starken Klöstern in Bayern. Die Prälaten waren neben dem Kurfürsten und den Fürstbischöfen die Hauptkulturträger und Auftraggeber, die ihren herrschaftlichen Anspruch in prachtvollen Kirchen und residenzartigen Klosterbauten zum Ausdruck gebracht haben.
Die barocke Bibliothek des Zisterzienserklosters Aldersbach wurde unter Abt Theobald I. Grad (1705-1734) gebaut. Die Fresken stammen aus der Jahr 1760, als Abt Theobald II. Reitwinkler (1745-1779) dem Augsburger Freskenmaler Matthäus Günther (1705-1788) den Auftrag zur Ausmalung gab.
Auch wenn die Bibliothek seiner einstmals 30 000 Bücher beraubt ist, sagen die Deckenfresken doch viel über die Wissens- und Forschungsgebiete des Klosters aus. Es sind Bücher der geistlichen und weltlichen Wissenschaften, die auch deswegen nötig waren, weil unter dem Abt Malachias Niederhofer (1669-83) im Kloster eine Hochschule für Philosophie und Theologie mit Seminar eingerichtet worden war. Alle Bestandteile der Bibliothek, d.h. Bücher und Deckenfresken, waren wohldurchdacht zu einer Einheit verschmolzen. Das Programm für die Deckenfresken muss von einem in Wissenschaftsgeschichte und Theologie gebildeten Konzeptschreiber entworfen worden sein. Wahrscheinlich war es der Auftraggeber der Fresken selbst, Abt Theobald II. Reitwinkler, der wie überliefert ist, „in Philosophisch- und Theologischer Wissenschaft rühmlichst versiret“ war.
Wenn der Besucher den Bibliothekssaal betritt, sieht er im Zentrum der Spiegeldecke die Dreifaltigkeit als Sitz der Weisheit. In den Diagonalen darunter präsentieren sich die vier Evangelisten Matthäus (Mensch), Markus (Löwe), Stier (Lukas) und Johannes Adler) mit ihren Symbolen. In den vier Bildfeldern sind historische Persönlichkeiten zu sehen, die die geistlichen und weltlichen Wissenschaften repräsentieren.
Das Bildfeld auf der rechten Seite (Westen) zeigt die theologischen Wissenschaften mit Repräsentanten aus dem Hoch- und Mittelalter mit dem christlichen Gottesberg. Der heidnische Musenberg im Osten (Parnaß) und der christliche Gottesberg im Westen stehen sich also gegenüber. Gedeihen die antiken Wissenschaften und Künste unter dem Schutze heidnischer Götter, so vertrauen sich die christlichen Philosophen dem Hl. Geist und der Kirche an. Heidnischer Philosophie wird weltlicher Lorbeer zuteil, der Lohn christlicher Philosophen sind Gnadenstrahlen, Erleuchtung, gar Erkenntnis.
Auf dem Fresko erhebt sich der Gottesberg, auf dessen umwölkten Gipfel eine weibliche Figur im weißen Chorhemd und gelben Umhang mit Kopfschleier thront, die die Kirche (ecclesia) symbolisiert. Sie trägt das Pallium, das Amtsabzeichen des Papstes. Neben ihr steht auf dem Buch mit den sieben Siegeln ein Kuppelbau mit Kelch und Hostie als Attribute des Glaubens (fides) an der Spitze. Das Kreuz ragt dahinter hervor. Über allen aber schwebt die Taube des Heiligen Geistes, aus deren Schnabel ein Gnadenstrahl hervorgeht, der die Ecclesia trifft; weitergeleitet durch den Spiegel, den die weibliche Figur in der echten Hand hält, wird der Gnadenstrahl auf die Hostie (hl. Eucharistie) reflektiert, bricht sich dort und geht in vielen Strahlen auf die unten am Fuß des Berges versammelten Vertreter der theologischen Wissenschaften nieder. Die Kirche schart ihre Wissenschaftler unter sich, diese empfangen die Gnadenstrahlen des Heiligen Geistes durch den Glauben und das eucharistische Sakrament.
Im Zentrum sitzt der Dominikaner und Kirchenlehrer Thomas von Aquin (1225-1274), dessen Schriften in den Klosterbibliotheken zum „Pflichtprogramm“ gehörten. Die Sonne vor seiner Brust ist seit dem späten Mittelalter sein Attribut. Er ist der Hauptvertreter der Scholastik, die die Glaubenswahrheiten vernunftmäßig zu beweisen versucht und auf der antiken Philosophie aufbaut. Thomas blickt zum Kreuz, ein aufgeschlagenes Buch liegt auf seinen Knien. Die Szene beschreibt, wie Christus vom Kreuz herab zu Thomas spricht: „Gut hast du über mich geschrieben.“
Schräg links hinter Thomas steht der Benediktiner Anselm von Canterbury (1033-1109), der zentrale Grundpositionen der Scholastik formulierte: „Glaube, der nach Einsicht sucht“ und „Ich glaube, damit ich verstehe.“
Der rechts neben Thomas von Aquin stehende Heilige ist der Jesuit Petrus Canisius (1521-1597), der an der Universität Ingolstadt lehrte, wohin das Kloster Aldersbach seinen Priesternachwuchs sandte. Canisius war als geistlicher und politischer Vorkämpfer der Gegenreformation maßgeblich am Neuaufbau der katholischen Kirche beteiligt. Mit seinen drei Katechismen schuf er eine allgemeine Norm für die Christenlehre. Der spanische Jesuit Franz Suarez (1548-1617), der auf dem Stuhl sitzt und in ein aufgeschlagenes Buch schreibt, entfaltete mit seinen metaphysischen, juristischen Schriften und theologischen Traktaten eine gewaltige Wirkung. Er wird als Mitbegründer des Völkerrechts im neuzeitlichen Sinne angesehen.
Weitere Theologen sind der Augustiner- Chorherr Hugo von St. Victor (1000-1141), der Franziskaner Duns Scotus (1265-1308) und der Bischof und Zisterziener Otto von Freising (1112-1158), der als Vertreter der Geschichtsschreibung in zisterziensischen Bildprogrammen erscheint.

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Die Klosterbibliothek des ehemaligen Zisterzienserklosters Aldersbach

 

Naturwissenschaften - Teil 2

Der kunstsinnige Abt Theobald II. Reitwinkler (1745-1779) gab im Jahr 1760 dem berühmten Augsburger Freskenmaler Matthäus Günther (1705-1788) den Auftrag, den Bibliothekssaal auszumalen. Das Bildprogramm umfasst vier Seitenfelder. Im Zentrum der Spiegeldecke ist die hierarchisch höchste Figur zu sehen, die Dreifaltigkeit als Sitz der Weisheit: Alles Wissen, das der Mensch erlangt, führt ihn letztlich zur Dreifaltigkeit Gottes, Allmacht der Weisheit und der Erkenntnis. In den Diagonalen darunter erscheinen die vier Evangelisten. In den vier Feldern sind die geistlichen und weltlichen Wissenschaften verkörpert.
Ostwand: Antike Wissenschaften
Westwand: Theologische Wissenschaften,
Nordwand: Mystik
Südwand: Naturwissenschaften: Astronomie, Musik, Geographie, Physik und Medizin
An der Südwand, der Fensterseite, sehen wir in zwei Ebenen angeordnet eine Versammlung von Personen in Ordenstracht oder antiker Gewandung. Sie stehen auf einem Mauersockel oder erhöht auf einem abgetreppten Aufbau. Vorne links ist der Kirchenlehrer Albertus Magnus (1193-1280) zu erkennen. Seine zahlreichen Schriften über theologische, philosophische und naturwissenschaftliche Probleme brachten ihn den Titel „Doctor Universalis“ ein, und die Kirche verlieh ihm den Beinamen „Magnus“, der Große. Albertus Magnus ist gerade dabei, eine sprechende Statue zu schaffen. Die Legende vom Zauberer Albertus Magnus, der mittels seiner naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sprechende Statuen erschaffen konnte, war im 18. Jahrhundert weit verbreitet.
Links von ihm sehen wir zwei mit Arbeitskitteln bekleidete Männer, die sich über eine Hahnluftpumpe beugen, mit der man pneumatische Versuche machen konnte. Einer bewegt den Drehkranz. Im Jahr 1760 waren solche Apparaturen hochaktuell.

Einer der in der Antike die Grundlagen für die Naturwissenschaften gelegt hat, ist mit weißem Bart, Toga und mit einem Zirkel in der Hand dargestellt: Archimedes von Syrakus (287-212), der bedeutendste Mathematiker und Physiker der Antike, der das Hebelgesetz formuliert und technische Erfindungen gemacht hat.
Die zentrale Gestalt im Vordergrund in antiker Kleidung und Kniestiefel mit Pilgerstab in der Rechten und Lederkoller ist der hl. Wilhelm X. von Aquitanien (1099-1137), eine von Legenden umrankte Figur. Mit der Linken weist er auf die Erdkugel. Nach einem ausschweifenden Leben soll Wilhelm vom Hl. Bernhard von Clairvaux bekehrt worden sein. Wilhelm tat Buße, indem er Pilgerfahrten unternahm. Wanderstab und Erdglobus weisen auf die Geographie hin. Über Wilhelm befindet sich die Astronomie, verkörpert durch Beda Vererabilis (672-735) als bärtiger Benediktinermönch. Er hält einen Zirkel und ein Fernrohr in der rechten Hand und stützt sich auf einer Armillarsphäre.

Eine Armillarsphäre (lat. armilla „Armreif“, sphaera „Kugel“) oder Weltmaschine ist ein astronomisches Gerät zur Darstellung der Bewegung von Himmelskörpern. Sie besteht aus mehreren gegeneinander drehbaren Metallringen, die insgesamt die Form einer Kugel bilden.
Die Messgeräte weisen auf die mathematischen Hilfswissenschaften hin: ein Proportionalzirkel (eine Art Rechenschieber), ein katoptrischer Zirkel und in Winkellineal, auf dem Gesims ein Neigungsmesser, ein Winkelmesser und trigonometrisches Lineal.
Der Benediktiner in schwarzer Tunika und Skapulier mit Kapuze hält Buch und Schreibfeder. Das vorgestreckte linke Bein ist von einem weißen Verband umwickelt, unter der rechten Achsel ist eine Holzkrücke geklemmt. Es ist der hl. Hermannus Contractus (1013-1056), der von Jugend an gelähmt war. Er lebte im Benediktinerkloster Reichenau und verfasste mathematisch-astronomische Werke.
Der selige Guido von Arezzo (990-1050) mit Notenblatt ist der Patron der Musik. Er führte Notenlinien, Notenschlüssel und Notensilben ein und hat sich um die Musiktheorie verdient gemacht.
Rechts betreten die Ärztebrüder Cosmas und Damian in orientalischer Tracht die Bühne. Sie haben unter Kaiser Diokletian (284-305) den Märtyrertod erlitten. Als Attribute tragen sie Heilkräuter und Tiegel für Medizin und Pharmazie. Die Zwillingsbrüder, die unentgeltlich Kranke geheilt und gepflegt haben, wurden bereits im Mittelalter als Patrone der Ärzte verehrt. Rechts neben ihnen wird eine kleine „fatto“, ein Geschichtchen, erzählt. Der Gehilfe zerkleinert mit einem Stössel etwas in einem Mörser. Er versinnbildlicht die Pharmazie. Mit den Destillierkolben, den Flaschen und der Zange ist die Chemie angedeutet.
Die schemenhaft angedeuteten Männer zwischen Guido und Cosmas und Damian sind in antiken Gewändern dargestellt: Hippokrates (460-370 v.Chr.), Begründer der Medizin und Galenos (ca. 200-130 v. Chr.), einer der bedeutendsten Ärzte des Altertums, der in seinen medizinischen Schriften die Grundlagen für Anatomie, Physiologie und Pathologie legte.