Europareservat Unterer Inn

Die Schwarzpappel (Populus nigra)

Knorrige Auwald-Riesen am Unteren Inn

Bei einem Herbst-Spaziergang durch die Wälder der Inn-Auen lässt sich allerhand entdecken. Eichelhäher und Eichhörnchen legen fleißig Nahrungsdepots für den kommenden Winter an. Sträucher wie Pfaffenhütchen, Berberitze und Kornelkirsche bieten ihre auffällig gefärbten Früchte an. Bunte Blätter leuchten an den Bäumen, bevor sie vom Wind durch die Luft gewirbelt werden und den Waldboden in einen raschelnden Blätter-Teppich verwandeln.

Eine typische Baumart unserer Auwälder ist die Schwarzpappel, ein stattlicher, knorriger Baum mit gefurchter Rinde und gezähnten Blättern. Charakteristisch sind zudem die Beulen an den Stämmen der Schwarzpappeln. Manchmal sieht man auch mehrstämmige Exemplare. Diese besondere Wuchsform lässt sich auf die sogenannte Niederwaldnutzung zurückführen, die früher häufig im Auwald betrieben wurde. Dabei wurden die Bäume in regelmäßigen Abständen von 10 bis 20 Jahren auf den Stock gesetzt, also nahe über dem Boden abgeschnitten. Pappeln besitzen die Fähigkeit, aus dem verbleibenden Stock wieder auszutreiben. Meist bildet sich nicht nur ein Trieb, sondern gleich mehrere. Dieser Vorgang lässt sich nicht nur bei Pappeln, sondern auch bei Weiden, Erlen, Eichen und Linden beobachten.

Obwohl sich im Europareservat Unterer Inn noch die größten Schwarzpappel-Vorkommen Bayerns befinden, hat diese Baumart auch hier ein Problem: Ihr fehlt der Nachwuchs, sie leidet an Überalterung. Der Grund dafür ist einfach: Die Schwarzpappel braucht zur Keimung Roh-Boden, also zum Beispiel blanken Kies ohne Humus-Decke. Diesen gab es früher, als der Inn noch ein Wildfluss war, häufig. Dort, wo der Fluss seine schwere Fracht aus den Alpen ablagerte und sich Kiesbänke bildeten, konnten sich die Pappeln optimal ansiedeln.

Heute gelangen kaum mehr größere Steine den Inn hinab und Kiesbänke sind Mangelware. Die Schwarzpappel-Samen tun sich schwer, ein geeignetes Keimbett zu finden. Der Naturschutz versucht deshalb, mit der Anlage von geeigneten Flächen im Auwald wieder optimale Bedingungen für die Vermehrung der Schwarzpappel herzustellen, damit auch zukünftige Generationen noch diese wunderbaren Auwald-Riesen bestaunen können.

 

Der Untere Inn im Wandel der Zeit

Dynamische Vergangenheit

Breit und weit verzweigt floss der Inn einst durch die Niederungen. Die sommerlichen Hochwasser brachten Unmengen an Kies aus den Alpen mit, die zu Inseln aufgetürmt wurden. Andere Kiesbänke hingegen wurden abtransportiert, sodass sich das Bett des Flusses ständig veränderte.

Doch schon um 1900 wurde dem wilden Treiben des Inns ein Ende gesetzt. Die genauen Grenzen wollten die Bewohner Österreichs und Bayerns festlegen, Schifffahrt betreiben, Ackerbau und Besiedelung ermöglichen, ohne die ständige Furcht vor zerstörerischen Fluten. Hohe Dämme zwängten den Inn in ein kanalartiges, enges Bett.

Die dadurch erhöhte Fließgeschwindigkeit des Flusses brachte allerdings einen entscheidenden Nachteil mit sich: Der Inn transportierte nun mehr Kies aus dem Flussbett ab, als er aus den Alpen nachliefern konnte. Die Flusssohle tiefte sich ein und der Grundwasserspiegel sank. Für die flussbegleitenden Auwälder – alles, was vom einstigen Wildfluss noch geblieben war – hatte dies weitreichende Folgen.

Erst mit dem Bau der Wasserkraftwerke ab 1940 wurde dieser Prozess gestoppt. Es entstanden wieder weite Flussabschnitte – die heutigen Stauseen. Kies bringt der Inn heute zwar nicht mehr aus den Alpen mit, aber immer noch mehrere Millionen Tonnen Schwebstoffe jedes Jahr. Diese werden in den Stauseen, wo die Fließgeschwindigkeiten relativ gering sind, abgelagert. Neue Inseln entstehen.

Bewegte Gegenwart

Gegenwärtig stellt der Untere Inn ein international bedeutsames Rast-, Brut- und Überwinterungs-Gebiet für eine artenreiche Vogelwelt dar, vor allem aber für Wasservögel. Seltene Arten wie Seeadler und Nachtreiher haben hier ein geeignetes Brut-Gebiet gefunden.

Außerdem entstehen heute entlang des Flusses wieder neue, wertvolle Lebensräume, jetzt allerdings nicht mehr durch die pure Kraft des alpinen Flusses, sondern durch Menschenhand. So hat beispielsweise der Landschaftspflegeverband zusammen mit dem Fischereiverein in den vergangenen Jahren im Eringer Gemeinde-Gebiet eine Altwassermulde angelegt und ein Altwasser entlandet. Bei Simbach wurde das Inn-Ufer neu gestaltet und rund um das Kraftwerk Ering-Frauenstein wird momentan ein Umgehungsgewässer mit Insel-Nebenarm-System gebaut.

Spannende Zukunft

Wie geht es nun weiter mit dem Unteren Inn? Viele Herausforderungen gilt es in der Zukunft zu meistern. Spannende Diskussionen  gibt es zu führen. Wie geht man mit der zunehmenden Verlandung der Altwässer und des Flusslaufs um? Soll und kann der momentane Zustand des Unteren Inns erhalten bleiben? Wie sieht es mit der touristischen Erschließung des Gebietes aus? Arten- und Biotopschutz müssen hier auf jeden Fall auch künftig eine tragende Rolle spielen, um dieses Juwel unserer Heimat zu bewahren.

Schmetterlinge am Unteren Inn

Jetzt im Sommer präsentiert sich das Europareservat Unterer Inn in voller Blüte. An den Inndämmen und auf den Brennen in den Auen gedeiht eine vielfältige Pflanzengesellschaft mit Heilkräutern und Orchideen. Sie brauchen trockene und nährstoffarme Böden, die heute in der meist gedüngten Kulturlandschaft kaum noch zu finden sind. Deshalb weichen sie auf diese Ersatzbiotope aus und bringen eine bunte Vielfalt an Schmetterlingen mit. Jeder von ihnen benötigt eine bestimmte Futterpflanze für seine hungrigen Raupen.

So legt der Schachbrettfalter seine Eier auf Gräsern ab. Die Raupe des Zitronenfalters hat sich auf den Faulbaum spezialisiert. Der Nachwuchs des Schwalbenschwanzes bevorzugt die Wilde Möhre. An der von vielen Gartenbesitzern so verhassten Brennnessel gedeiht gleich eine ganze Reihe von Schmetterlingsraupen. Tagpfauenauge, Admiral und Kleiner Fuchs gehören dazu. Zudem sind beispielsweise Disteln wichtige Futterpflanzen für die Falter selbst. Es zahlt sich also aus, wenn man im eigenen Garten etwas „Unkraut“ zulässt. Belohnt wird man mit bunter Falter-Vielfalt.

Viele Pflanzen profitieren aber auch von den Schmetterlingen. Beim Nektar-Saugen besuchen die erwachsenen Exemplare zahlreiche Blüten und leisten dabei einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung.

Die wissenschaftliche Bezeichnung der Schmetterlinge lautet übrigens „Lepidoptera“ was dem griechischen Wort für Schuppenflügler entspricht und auf den Aufbau der Schmetterlingsflügel hinweist. Der deutsche Name „Schmetterling“ kommt ursprünglich vom „Schmand“, der einige Schmetterlings-Arten anzieht. Bei der Butter-Herstellung konnte man die Schmetterlinge dann zahlreich sitzen sehen. Noch deutlicher wird dies beim englischen Begriff für Schmetterling „butterfly“.

Veranstaltungs-Hinweis:

Im August hält der Spätsommer im Europareservat Unterer Inn Einzug. Dr. Beate Brunninger führt jeden Sonntag zu diesem Thema durchs Gebiet. Wir sehen nach, was sich um diese Jahreszeit so alles tut. Los geht’s jeweils um 10:00 Uhr am Infozentrum in Ering.

Verbund-Projekt "Durchgängigkeit und Lebensraum" am Kraftwerk Ering-Frauenstein

Zur Wiederherstellung der Gewässerdurchgängigkeit für Wasserlebewesen, die auch für den Weiterbetreib des Kraftwerkes Ering-Frauenstein relevant ist, begannen die Grenzkraftwerke im April mit der Umsetzung des Projektes „Durchgängigkeit und Lebensraum“.

Die Maßnahme gliedert sich in drei Bereiche:

1.      Das Umgehungsgewässer ermöglicht nicht nur den wandernden Fischarten, das Kraftwerk zu überwinden. Auf einer Länge von ca. 2,6 Kilometern soll ein naturnah gestaltetes Fließgewässer entstehen, das mit Tiefstellen, Flachwasserzonen und angeströmten Kiesbänken unterschiedliche Gewässerlebensräume und Kieslaichplätze bietet.

2.      Die bislang vom Fluss abgeschnittene Eringer Au soll wieder an den Inn angebunden werden. Dies ermöglicht durch auetypische Wasserspiegel-Schwankungen die Lebensräume zu dynamisieren und zu revitalisieren.

3.      Bei der Stauwurzelstrukturierung entsteht unterhalb des Kraftwerkes auf einer Fläche von über 12 Hektar ein Inselnebenarmsystem mit 2,5 Kilometern Länge. Die bestehende Uferbefestigung wird zurückgebaut und ein Altarm mit Flachufern gestaltet.

Bei der Planung der Maßnahmen wurden aber nicht nur die Fische berücksichtigt. Auch Biber, Fischotter, Eisvogel, Libellen, Reptilien, Laufkäfer, Spinnen und Heuschrecken sollen davon profitieren. Nebenbei entsteht ein spannendes Naturerlebnis für den Menschen.

Während der Projekt-Umsetzung und der Damm-Sanierung ist der Baustellenbereich aus Sicherheitsgründen abgesperrt. Auch Teile des Eringer Naturerlebnisweges sind betroffen. Der Radweg wird durch Ering umgeleitet. Die Überfahrt über das Kraftwerk ist aber für Radler und Fußgänger weiterhin offen. Auch die Sonntags-Führungen finden wie gewohnt statt.

Nähere Informationen zur Begehbarkeit der Wege erhalten Sie am Infozentrum in Ering.

 

Fotos:

  • Wanderwege Eringer Au (rot = gesperrt, grün = begehbar, gelb = begehbar, aber kein offizieller Wanderweg)
  • Brandknabenkraut auf der Seibersdorfer Brenne (Foto: Bruckmeier)

Texte und Bilder (außer besonders gekennzeichnete Bilder) auf dieser Seite von Infozentrum Ering, Europareservat Unterer Inn

 

 

Veranstaltungshinweise für Juni

Die Zoologische Gesellschaft Braunau organisiert am Samstag, 2. Juni 2018 um 19:30 Uhr einen kostenlosen Filmabend im Gasthaus Eckinger Wirt in Ering. Dr. Eberhard Pfeuffer aus Augsburg referiert zum Thema „Am Lech - Ein Flusstal als Lebensraum für Schmetterlinge“.

 

Im Juni steht bei den Sonntags-Führungen mit der Biologin Dr. Beate Brunninger das Pflanzenparadies Europareservat Unterer Inn im Mittelpunkt. Los geht’s jeweils um 10:00 Uhr am Infozentrum in Ering.

 

Zum Familientag Insekten laden der Bund Naturschutz und die Zoologische Gesellschaft Braunau am Samstag, 23. Juni 2018 alle Interessierten auf die Seibersdorfer Brenne ein. Treffpunkt ist um 9:00 Uhr am Parkplatz an der Kirche in Seibersdorf. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos.

 

Mit der Fotoausstellung Tatort Garten im Heimatmuseum in Simbach und dem bunten Begleitprogramm zeigen Bund Naturschutz, Gartenbauverein und Imker, wie wir der Natur in unserem Garten einen Platz geben können und wie dankbar sie diesen annimmt.

Ausstellungs-Eröffnung: 28. Juni 2018, 19:00 Uhr

Ausstellungs-Dauer: 28. Juni bis 29. Juli 2018

 

Walter Sage vom Bund Naturschutz und der Zoologischen Gesellschaft Braunau leitet am Samstag, 30. Juni 2018 um 9:00 Uhr die Schmetterlings-Exkursion am Biotopacker in Eglsee bei Ering. Die Exkursion startet um 9:00 Uhr am Parkplatz am Vogelbeobachtungsturm in Eglsee. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos.